Sonne und Mond mit eigener Aufnahmesoftware
Erste Bilder mit LuckyPhotons, meiner selbst entwickelten Lucky-Imaging-Software für Linux
Aus der Erfahrung mit FireCapture bei der Sonnenfinsternis entstand der Gedanke, dass ich gern eine Open-Source-Aufnahmesoftware hätte, die unter Linux das Lucky Imaging einfach macht. Lucky Imaging ist ein Konzept, mit dem die Bewegung der Atmosphäre ausgeglichen werden soll, indem man sehr viele Bilder mit kurzer Belichtungszeit macht. Die Idee dabei ist dann, dass zumindest 10 % (also ein Anteil) der Bilder wirklich scharf sind. Lucky, weil man mit Statistik arbeitet. Unter Windows gibt es dafür SharpCap, aber unter Linux eben FireCapture, was nicht Open Source ist. Es gibt auch AstroDMX, aber das war zumindest bei meinem letzten Test noch nicht an einem Punkt, wo ich das für die Sonnenfinsternis in Erwägung gezogen hätte.
Features, die mir an FireCapture gefallen haben:
- Livebild von der Kamera
- Ein Timelapse-Modus sowie Aufnahmen mit hoher Framerate.
- Es hat visuelle Helfer, um das Ziel, also in meinem Fall die Sonne, zu zentrieren
- Guiding bzw. Nachführungsfeature, mit dem das langsame Herauslaufen der Sonne aus dem Gesichtsfeld verhindert bzw. deutlich verlangsamt wurde.
Was mir nicht gefallen hat:
- Dass es nicht so deutlich ersichtlich ist, ob man mit 8 bit oder 12 bit oder 16 bit aufnimmt
- Dass die Bewegungstasten für die Montierung dazu führen, dass das automatische Tracking immer ausgeschaltet wurde. Dafür brauchte ich einen zusätzlichen Watchdog, der das Tracking der Montierung immer wieder eingeschaltet hat
- Dass ich zwischen Timelapse und hoher Framerate manuell hin- und herschalten musste
Und Features, die mir gefehlt haben:
- Autofokus auf Sonne bzw. Mond
- Automatisches Suchfeature, um die Sonne zu finden und zu zentrieren.
- Automatisches Strecken/Stretchen des Livebilds
- Automatisches Anpassen von Belichtungszeit und Verstärkung, um das Histogramm optimal auszunutzen.
Ich habe dann angefangen, mithilfe von Claude Code meine eigene Aufnahmesoftware zu entwickeln. Das Ziel ist, die irgendwann als Open Source zu veröffentlichen. Dabei hat es recht schnell geklappt, Kamerabilder angezeigt zu bekommen. Aber dass die Software auch eine echte Teleskopmontierung korrekt steuern kann, ist eine echte Herausforderung. Es gibt begrenzt Zeit, um die Features zu testen, auch wenn sie am Simulator wunderbar tun. Und eine echte Montierung, in meinem Fall die Skywatcher EQ AL55i Pro, hat ihre Eigenheiten, um die man erst mal herumarbeiten muss. Aber der Autofokus am ausgedehnten Ziel funktioniert schon ganz gut, und dadurch sind diese Bilder entstanden.
Der fast volle Mond am 27. September, gestackt aus 160 Einzelbildern
Die Sonne am 8. September mit mehreren Sonnenfleckengruppen
Die Sonne am 30. September, nur noch wenige kleine Flecken am linken Rand
Ich finde die Mondaufnahme mit den davor herziehenden Wolken ganz hübsch.
Die Rohaufnahme in Echtzeit: 16 Sekunden, in denen Wolken über den Mond ziehen
Ein gutes Beispiel für Lucky Imaging ist das Mondbild, das hier einmal als bestes Einzelbild aus dem aufgenommenen Video zu sehen ist, und einmal gestackt, also wo die besten Einzelbilder zusammengerechnet wurden. Ein einzelnes Bild ist aufgrund der kurzen Belichtungszeit verrauscht. Hier sind im Vergleich das beste Einzelframe, aber auch ein mittelgutes Einzelbild zu sehen.
Die abnehmende Mondsichel am 5. Oktober, bei Tageslicht aufgenommen, gestackt und geschärft
Das beste Einzelbild derselben Aufnahme: schon recht scharf, aber verrauscht
Ein mittelgutes Einzelbild derselben Aufnahme
Diese Mondaufnahme ist tagsüber gemacht worden, wo der Kontrast zwischen Himmel und Mondoberfläche deutlich schlechter ist als nachts im Dunkeln. Aber ich konnte den Mond automatisch anfahren lassen, weil meine eigene Aufnahmesoftware in der Lage ist, ihn selbst zu finden, auch wenn das Teleskop nicht perfekt eingenordet ist. Aber insbesondere das Guiding, das FireCapture gut hinbekommen hat, kann meine eigene Software noch nicht überzeugend.